Natürliche Selbstorganisation

Natürliche Selbstorganisation – Die ignorierte ‚Superkraft‘

Sie lässt alles wachsen, sie heilt unsere Wunden, sie lehrt uns sprechen und gehen, organisiert unser Gehirn und vieles mehr. Sie lässt sogar Galaxien und Sonnensysteme entstehen und dennoch gibt sich kaum jemand die Mühe, sie zu verstehen.

Was ist Natürliche Selbstorganisation?

„Selbstorganisation ist eine Form der Systementwicklung, bei der formgebende oder gestaltende Einflüsse bei der „Evolution“ von Systemen von seinen Elementen selbst ausgehen. In Prozessen der Selbstorganisation werden strukturelle Ordnungen, bzw. Musterbildungen erreicht (z. B. Kristallgitter, Zellen, Wirbel, Wolkenformen), ohne dass diese nachweislich durch äußere (fremdorganisierte), steuernde Einflüsse entstehen oder linear spezifischen Ursachen zugeordnet werden können. „ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstorganisation)

Natürliche Selbstorganisation ist eine Entwicklung vom Kleinen zu Großen.

Warum ist es so wichtig, Natürliche Selbstorganisation zu verstehen?

– Ein System, das sich natürlich selbst organisiert kann beliebige Komplexität entwickeln, ohne dafür mehr Energie und anderen steuernden Aufwand zu benötigen.

Die Globalisierung und Technisierung durch Menschen führt zu immer komplexeren Lebensumstände für die einzelnen Menschen und das führt zu einer Überforderung in der Gestaltung des persönlichen Lebens.

– In Systemen, die sich natürlich selbst organisieren, wird an kein Teil des Systems die Anforderung gestellt, etwas zu sein, was es nicht ist. Die persönliche Entfaltung eines jeglichen Teils des Systems ist natürlicher Bestandteil jeglicher natürlich selbstorganisierter Systementwicklung.

Das Kleine bringt das Große hervor – Die Ebenen der Natürliche Selbstorganisation

– Alle Atome bewegen sich und sie haben Möglichkeiten Verbindungen einzugehen und Energie auszutauschen.

– Das Miteinander der Atome bringt Moleküle hervor. Größere Vielfalt entsteht, bei der die Eigenschaften Verbindungen einzugehen und Energie auszutauschen, erhalten bleibt.

– Das Miteinander der Moleküle bringt Dinge und Stoffe hervor. Die Entwicklung von Vielfalt und damit von Komplexität geht weiter.

– Das Miteinander der Dinge und Stoffe bringt dynamische Systeme hervor, wie Luft- und Wasserströmungen auf der Erde, den Wasserkreislauf mit Regen, Flüssen und Meeren. Ebbe und Flut, Vulkanismus und der Stofftransport mit den Flüssen bringt immer komplexere Stoffsysteme hervor.

– Da der Natürliche Selbstorganisation durch Komplexität keinerlei Grenzen gesetzt werden, besteht die Möglichkeit, dass Leben in Form von einfachen Zellen entsteht.

– Das Miteinander der Zellen mit ihrer Fähigkeit mit ihrer Umgebung Stoffe und Energie auszutauschen, sich zu vermehren und durch eine Membran ein inneres Gleichgewicht aufrecht zu halten, lässt es zu, dass eine große Vielfalt an Zellen entsteht.

– Das Miteinander der Zellen, lässt Zellverbände entstehen und damit mehrzellige Lebewesen.

– Mehrzellige Lebewesen entwickeln eine große Vielfalt und ihr Miteinander lässt Ökosystemen entstehen mit einer unbeschreibliche inneren Kohärenz.

Das ist nicht das Ende der Entwicklung. Gesellschaften entwickeln sich, Gehirne, Geist usw.

Was braucht es, damit Natürliche Selbstorganisation in der Entwicklung der Menschheit wirksam wird und die Komplexität unserer Umgebung nicht dazu führt, dass wir uns immer mehr der Kontrolle von Funktionalitäten und Machtverhältnissen jeglicher Art unterwerfen müssen?

– Natürliche Selbstorganisation kann sich nur entfalten, wenn der spontane Austausch im ‚Kleinen‘ geschützt ist. Für soziale Systeme heißt das, dass das persönliche Erleben jedes Menschen und der Austausch des persönlichen Erlebens unter Menschen geschützt ist.

– Solch ein Austausch kann sich nur dort entfalten, wo eine Kultur des Einverständnisses und der Gleichwertigkeit menschlichen Erlebens gepflegt wird.

– Macht und Kontrolle müssen wirksam getrennt werden, denn ihre Eigenschaft sich gegenseitig zu verstärken, führt zur Instabilität der Sozialsystemen und bedroht die Kultur des Einverständnisses und der Gleichwertigkeit menschlichen Erlebens.

Es ist nicht zu übersehen. Die erworbenen Fähigkeiten durch Wissenschaft und Technik, Kontrolle auf materielle, lebendige und soziale Systeme auszuüben, führt dazu, dass wir Menschen letztlich Kontrolle über Wissenschaft und Technik ausüben müssen und sich Wissenschaft, Technik und deren Organisation an der Güte seiner Folgen messen lassen muß.

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit.

Natürliche Selbstorganisation

Natürliche Selbstorganisation – Anmerkung zum Thema

„In den Wissenschaften und im „Rationalismus“, der ihnen zugrunde liegt, spielt das folgende Verfahren eine wichtige Rolle: Um einen Gegenstand oder einen Prozeß zu verstehen, zerlegt man ihn in klar erfaßbare und voneinander scharf getrennte Elemente, führt Gesetze ein für die Kombination dieser Elemente und ihre Veränderungen und baut dann den Prozeß aus diesen Bestandteilen auf. Dabei trennt man nicht nur die Elemente voneinander, man trennt auch die Gesetze von den Elementen; nicht die innere Natur der Elemente, sondern ein ihnen auferlegter Zwang bestimmt damit ihr Verhalten“

und weiter:

„Diese Situation erklärt, warum es so schwer ist, ein einheitliches Bild des Weltprozesses zu erhalten, an dem wir teilnehmen, und warum das Zusammenpassen von Natur und Gesellschaft neuerdings so großen Schwierigkeiten begegnet. Die meisten Probleme, die sich einer solchen Zusammenfügung entgegenstellen, sind ja in Wahrheit Ergebnisse des beschriebenen mechanistischen Vorgehens; Verlangt man begriffliche oder methodologische Reinheit, verbietet man eine Vermengung von Ideen, die verschiedenen Bereichen angehören, so ist eine einheitliche Behandlung von vornherein ausgeschlossen. Andererseits ist die Einheit des so Getrennten schlicht eine Tatsache.“

Aus dem Vorwort von Paul Feyerabend zum Buch „Die Selbstorganisation des Universums“ von Erich Jantsch.

In selbstorganisierten Systemen wirkt jedes Teil des Systems auf das ganze System und das System auf seine Teile. Mit wissenschaftlichem analytischen Verfahren sind selbstorganisierte System in ihrer Gänze nicht zu erfassen und dennoch sind wir Menschen gut ausgestattet, selbstorganisierte Systeme zu verstehen. Ist doch unser Gehirn selbst ein „System“, dass sich selbst organisiert. Um natürliche Selbstorganisation zu begreifen, muß man sich einlassen, es sozusagen in sich entwickeln lassen.

Epirrhema

Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten.
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen;
Denn was innen, das ist außen.
So ergreifet ohne Säumnis
Heilig öffentlich Geheimnis!

Freuet euch des wahren Scheins,
Euch des ernsten Spieles!
Kein Lebend’ges ist ein Eins,
Immer ist’s ein Vieles.
Johann Wolfgang von Goethe